Dorfposcht
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FÜNF JAHRE «DORFPOSCHT»

Des Geburtstagskinds bewegte Geschichte

Anlässlich des fünften Geburtstags im September 1995 erschien in der Jubiläums-Ausgabe dieser Geschichtliche Abriss

Anno Dominae MCMXC p.C., so berichten die Geschichtsschreiber, hat das Ereignis stattgefunden, welches die Medienlandschaft der Agglomeration Thalheim-Gütighausen grundlegend verändern sollte. Im November war’s, als zum ersten Mal anstelle des bisherigen spartanischen Faltblatts eine Zeitung in frischem Blau die Geschicke der Metropole an der Thur verkündete. Einen Namen hatte das Kind zwar noch keinen, aber im Inhaltsverzeichnis proklamierte es selbstbewusst, mit welchen Themen es die Bevölkerung künftig zu beglücken gedenke: Mit dem Bericht des Gemeinderats, natürlich, mit Mitteilungen der Schulpflege und mit Veranstaltungshinweisen. Heute weiss man, dass nicht alle der ursprünglichen Rubriken die Zeit bis in die Gegenwart überdauern würden. Die Mozzlers, beispielsweise, und die Schülerseite, aber auch die Home-story-Seite «Leute Leute Leute» gingen nacheinander den Weg alles Vergänglichen, andere – das Editorial, die «Fundgrube» und «wir gratulieren» – existieren noch in der Neuzeit.

«Dorfzytig» oder «Thalheimer Spiegel»

Die Nummer eins erschien dann im Januar des neuen Jahres, und hiess «Dorfposcht». Dieser Name hatte der Bevölkerung von den Vorschlägen des Redaktionsteams, darunter «Dorfzytig», «Gazette für Thalheim und Gütighausen», «Thalheimer Spiegel» und «Dorfpanorama», am besten gefallen. Und bereits die ersten Ausgabe erhitzte die Gemüter. Es war weniger der Inhalt des Aufrufs «TKC – Thalheimer Kreatives Chaos» als vielmehr ein vom Autor benutztes Wort, das politically sehr unkorrekt war. Es sollte nicht der letzte Skandal bleiben; der Autor jedenfalls war ab Nummer fünf Mitglied der Redaktion.

In der letzten Ausgabe von 1991 hatte die Kolumnistin der «Dorfposcht» ihren Einstand; mit «Grüetzi ist ein schöner Gruss…» war eine weitere Rubrik, das «Nachgedacht», aus der Taufe gehoben. Eine Umfrage nach einem Jahr «Dorfposcht» zeigte klar, dass sich die Bevölkerung ans neue Blatt gewöhnt hatte, und die Weiterführung einstimmig befürwortete. Mit der Nummer sechs hatte die Redaktion einen Weggang zu verzeichnen, der eine schwer zu schliessende Lücke hinterliess: Hansruedi und Annie Frauenfelder verliessen die Redaktion; sie hatten mit Roland und Erika Fisch, Walter und Christine Jordi, Jakob Roduner und Hansruedi Schaer zu den Gründungsmitgliedern gehört. Zwei Ausgaben später nahm Marlis Rengel ihren Dienst in der Redaktion auf.

Skandale, Skandälchen…

Gerade zwei Skandale löste die Nummer elf aus: Eine Asterix und Obelix Geschichte und ein Limerick sorgten für rote Köpfe und einiges an Aufregung. Nummer dreizehn war nun orange und ausserdem – Sparen war schon damals ein Thema – platzsparender aufgemacht: Drei- statt Zweispaltensatz und 10- statt 12-Punkt-Fliessschrift. Optisch eine Verbesserung – Sparen kann sich vorteilhaft auswirken. Ausserdem gab es statt sechs nun fünf Ausgaben jährlich.

Ein halbseitiger Artikel hatte noch vor Veröffentlichung für Umtriebe gesorgt – Nummer sechzehn erschien ohne das corpus delicti und Shakespeare musste sich bestätigt fühlen: «Viel Lärm um nichts»! Mit dieser Ausgabe verliess auch Hansruedi Schaer das Redaktionsteam, und setzte damit einen «Exodus» in Gang, der auch im kommenden Jahr anhalten sollte.

Der Exodus beginnt…

Gelb löste im neuen Jahr (’94) orange ab, Türen und Tore folgten auf die Scherenschnitte von Doris Morf. Die Editorials lösten nun beinahe regelmässig Ärger aus. Der Text über die «Generation X» wurde unwillig aufgenommen – zu kompliziert, «Sowas braucht Thalheim nicht!», hiess es, und in der Verabschiedung von Erika Fisch hatte es vielen zu viele englische Begriffe – jedenfalls wurde vom Gemeinderat flugs eine «Aussprache» anberaumt. Dabei hatte Erika Fisch einen starken Abgang verdient; denn sie hatte die «Dorfposcht» sowohl inhaltlich als auch gestalterisch stark geprägt. Eine Nummer zuvor hatte Roland Fisch die Redaktion verlassen: Er hatte als Titelbild-Fotograf geamtet, dessen hohe Ansprüche ein Garant für perfekte, gelungene Titelbilder gewesen waren – beide Abgänge waren nicht zu ersetzen.

Im fünften Jahr war die Farbe violett, die Coversujets dem Thema «Mensch und Tier» gewidmet. Die Gestaltung der «Dorfposcht» wurde einheitlicher, es gab zum ersten Mal eine durchgehende Titelsetzung. Drei Neuzugänger erweiterten die arg geschrumpfte Redaktion: Marlies Schwarz, Erich Bucher und Marco Murbach, wobei der dritte bereits nach einer Nummer wieder austrat. Der Gemeinderat beteiligte sich ab der Ausgabe 25 am Editorial, und eine weitere «Aussprache» gab es über die Leserbriefe, die in den Augen des Gemeinderates zu viel Kritik enthielten.

Das Fazit bis jetzt: 5 Jahre, 28 Ausgaben, 632 Seiten.

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