Dorfposcht
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Editorial der Ausgabe 161 vom 28. September 2018

Liebe Leserin, lieber Leser

Wieder ist es soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende. Noch lange nicht meinen Sie? Machen Sie sich gefasst auf die gefüllten Regale der Supermärkt mit Weihnachtsschokolade, Weihnachtsguetzli, Weihnachtsfondue und Punsch. Spätestens dann kriecht auch dem Letzten der Gedanke kalt den Rücken hinunter; was soll ich schenken? Noch lange nicht? Sie denken noch an den Kassensturz der Vereinskasse oder an den im Büro? Oder sind Sie noch am Abschlussbericht von dem Fall, welcher eh längst beim Kunden sein sollte aber eben noch nicht ist, weil alles andere viel dringender war? Jetzt holt es uns ein. Ich mache mir jedes Jahr wieder aufs Neue vor, dass ich Ende Jahr dann viel früher …und sowieso. Dann kommt der Anruf wegen einem Projekt, welches noch unbedingt vor Jahresende, dringend; damit man Anfang kommenden Jahres dann schneller wieder loslegen kann. Logischerweise ist es ein guter Freund oder ein guter Freund von einem guten Freund. Man kann ja nicht Nein sagen. Also klar macht man das. Als Dank werden einem dann noch Weihnachtsguetzli versprochen. Und schon wieder blitzt der Gedanke an längst Überfälliges auf.

Aber vielleicht gehören Sie ja zu den Menschen, welche sich systematisch auf solch plötzlich auftretende Ereignisse gut vorbereiten? Mit Listen, Terminen und Kontrollorganen. Vielleicht organisieren Sie ja sogar noch zusätzlich zu allem das Fest und machen Einladungen für Freunde und Bekannte. Oder Sie haben längst innerhalb der Familie eingeführt, dass jeder nur ein Familienmitglied beschenkt, fair verteilt per Los…

Google findet unter dem Stichwort «Weihnachtstress vermeiden» über 15 100 Ergebnisse in 0.4 Sekunden. Es muss also in unserer Natur liegen, also der Stress und nicht das Vermeiden von diesem.

Die meisten Vorschläge sind dann auch, wen wunderts, mehr als ungeeignet. Ein Beispiel? «Gönnen Sie sich in der stressigen Vorweihnachtszeit eine Auszeit, nehmen Sie sich ruhig einzelne Tage frei…», genau.

Wäre es vermessen einen fünfzigjährigen nach seiner Wunschliste zu fragen. Stünde da was drauf? Könnte man ausmachen pro Familie 100. Franken- zu spenden statt etwas zu schenken? Warum nicht als ganzer Clan ins Kino gehen, Popcorn, Nachos, Cola und Glace inklusive?

Die Kinder wären enttäuscht meinen Sie. Ja stimmt. Das wäre ich auch gewesen. Und auch als Erwachsener kriegt man ja noch gerne Geschenke. Es ist eben diese kleine Aufmerksamkeit eines Bekannten oder Freundes, welche so spannend im Vorfeld und dann gelungen beim Auspacken ist. Dieses Gefühl, dass sich jemand Gedanken gemacht hat und sich, trotz allem, die Zeit genommen hat etwas zu besorgen oder zu basteln…

«Wow Schatz, diese Krawatte, super!»

«Bitte, und danke Dir für diese tollen Socken.»

Eine Lösung wird’s wohl nicht so einfach geben ausser sich treiben lassen und geniessen.

Mit «Last Christmas» von «Wham!» wünsche ich eine ruhige Zeit, frohe Weihnachten, und ein gutes Neues Jahr.

Marc Vock

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