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Themenbericht

Das Schiesszentrum in Gütighausen

Seit 2013 betreibt René Hild in Thalheim-Gütighausen das Schiesszentrum René Hild Tactical. Einst aus der Not geboren gilt dieses heute als eines der renommiertesten Waffengeschäfte mit Fokus auf Ausbildung und Training in der Nordostschweiz.

René Hild aus Gütighausen tut etwas, für das ihn wohl viele beneiden: Er verdient seinen Lebensunterhalt mit seinem Hobby, machte mit der Firma Rene Hild Tactical seine Leidenschaft für den Schiesssport zum Beruf. Geplant war das allerdings nicht.

Durch einen Unfall zum Umsatteln gezwungen

2012 geschah etwas, mit dem der heute 45-Jährige nie gerechnet hätte: Aufgrund einer schweren Rückenverletzung musste er nach 20 Jahren als selbstständig erwerbender Akkordmaurer aufhören – und sich überlegen, womit er künftig den Lebensunterhalt für sich und seine Familie bestreiten könnte. Seine Antwort lautete: Ein Waffengeschäft mit angegliederter Trainingsanlage. Immerhin beschäftigte er sich schon seit seiner Jugend mit dem Schiesssport, Waffentechnik und -geschichte. Und zwar so intensiv, dass er, als er sein eigenes Haus baute, dieses mit einem privaten Schiesskeller ausrüstete.

Grosses Waffenhandelspatent

In den Monaten der Rekonvaleszenz reifte der Traum zur fertigen Geschäftsidee. 2013 legte Hild die strenge Prüfung zum Erwerb des grossen Waffenhandelspatents ab – und eröffnete im Untergeschoss seines Wohnhauses die Firma René Hild Tactical. Heute beschäftigt er mit Pascal Ferreira aus Gütighausen eine Vollzeitkraft – und im Bereich Kursleitung zwei Teilzeitmitarbeitende.

Servicegedanke an erster Stelle

Als langjähriger Schütze bestens mit den Bedürfnissen der Kunden vertraut, setzt René Hild punkto Werkstattservice,Beratungstiefe, Angebotsvielfalt, Ausbildung und Training auf Rundum-Service. Vom Taschenrevolver bis zum Scharfschützengewehr für Langdistanzschützen kann er jede noch so seltene Waffe und jedes Zubehör besorgen – auch wenn es, vor allem wenn die Ware aus den USA kommt, manchmal Monate dauert. Zudem kennt er sich mit Waffen aus, weiss, welche Modelle zuverlässig sind und bei welchen Vorsicht geboten ist. Zudem können seine Kunden auch die meisten Modelle vor dem Kauf testen.

Breites Kundenspektrum

So breit gefächert wie das Angebot ist Hilds Kundschaft. Egal, ob Jung oder Alt, Frau oder Mann, Sport-, Combat- oder Freizeitschütze, Polizist, Grenzwächter oder Angehörige von Sicherheitsdiensten: Bei René Hild treffen sich behördliche und private Waffenträger, reden in der Schützenstube «Blei» und trainieren gemeinsam. Vorurteile oder spitze Bemerkungen? Fehlanzeige! Man kennt, vertraut und respektiert sich.

Klare Regeln und Gesetze

Apropos Respekt: Sicherheit und Gesetzestreue werden gross geschrieben. In die Trainingshalle darf nur, wer die Anforderungen (z.B. Nationalität, sauberer Strafregisterauszug) erfüllt und in einem Eingangstest zeigt, dass er punkto Waffenhandhabung und Regeln sicher ist. Aber auch Anfänger sind willkommen – und es werden immer mehr! «Aufgrund der globalen Verunsicherung, des schwindenden Sicherheitsgefühls, kommen quasi täglich Leute jeden Alters, vom Arbeiter bis zum Chirurgen, um eine Waffe zu kaufen. Doch die alleine bringt kein Mehr an Sicherheit, sondern stellt ohne richtige Ausbildung eher ein Risiko dar. Daher haben wir Anfang 2017 unser Kursangebot nochmals ausgebaut», sagt Hild. Bei ihm kann jeder, ohne Vorkenntnisse oder eigene Waffe, den sicheren Umgang mit einer Waffe erlernen. Und das sei, sagt Hild, «wirksamer für die allgemeine Sicherheit als immer noch mehr Verbote». Ein Grundkurs beim erfahrenen Instruktor kostet ab 210 Franken, inklusive Leihausrüstung, Leihwaffe und Kursbestätigung.

Die «Blaue Mauritius» im Schredder

Wohin Unwissenheit führen kann, wird auch deutlich, wenn Hild von «weggeworfenen Preziosen» spricht. «Viele Sammler kommen langsam ins Alter. So erben immer öfter Leute, die keine Ahnung von der Materie haben, Waffen», erzählt er. Im Bestreben, diese nur ja schnell loszuwerden, um jedem Ärger aus dem Weg zu gehen, würden viele die Waffen bei der Polizei abgeben. Dort landen die Erbstücke dann meist im Schredder – was Hild traurig macht: «Das ist, als würde ich eine geerbte Briefmarkensammlung einfach verbrennen, nur weil ich mich damit nicht auskenne!» Sein Tipp: Zum erfahrenen Waffenhändler gehen und eine unverbindliche Bewertung einholen. Denn der Ankauf durch einen offiziellen Händler, gegen Vertrag, ist absolut legal. Und lohnend – etwa, wenn sich das «gefährliche Erbstück» als begehrtes Sammlermodell entpuppt.

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