Dorfposcht
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Editorial der Ausgabe 151 vom 27. Januar 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Ruhe über die Festtage war auch ein Moment, um inne zu halten, die «Seele baumeln zu lassen» und Musse für Dinge zu haben, die sonst zu kurz kommen. Ich hatte Zeit, Artikel zu lesen, die ich in den letzten Dezemberwochen beiseitegelegt habe. Auffallend bei der Lektüre war für mich, wie immer wieder über «Politiker» jeglicher Richtung geschimpft wird. Sie werden als unfähig oder gewissenlos betitelt. Und es lässt sich Schadenfreude erkennen, dass es den gestandenen Politikern bei den Wahlen mit Proteststimmen heimgezahlt wird. Doch das zynische daran ist, dass genau diese Verdrossenheit gegenüber der Politik Instabilität bewirkt, denn destruktive Haltungen können die notwendige Zusammenarbeit der politischen Gegenspieler verunmöglichen.

Die Leidtragenden sind wir in unserem Alltag. Ist es uns nicht von grosser Bedeutung, dass die politischen Lösungen erstens umsetzbar sind und zweitens auch realisiert werden? Kaum bleibt uns ein Gedanke an diejenigen Personen in der Politik hängen, die trotz zäher Verhandlungen und vielen Rückschlägen gewissenhaft ihre Ziele erreichen. Denn politische Erfolge sind oft undramatisch und gesichtslos. Ist nicht der Beginn des neuen Jahres ein guter Zeitpunkt, gute Vorsätze zu machen? Wie schaffen wir es im täglichen Leben, dass wir einen kleinen Beitrag zu einer Verbesserung beitragen können? Vielleicht können wir im politischen und gesellschaftlichen Alltag mit Vor-Verurteilungen abwarten, bis mehr Fakten geprüft wurden oder bessere Informationen vorhanden sind. Manche Medien machen es uns da nicht einfach, Abstand von unseren Vorurteilen zu nehmen und Dinge auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Und zudem neigen wir dazu, diejenige Information zu suchen, aufzunehmen, zu interpretieren und als die Wahrheit anzunehmen, die zu unseren eigenen Vorurteilen oder gemachten Meinungen passen. Es fehlen uns häufig die vollständigen Informationen über die Zusammenhänge, um zu verstehen, was eigentlich Sache ist. Wir beurteilen nur zu oft auf der Basis starker Vereinfachung und Generalisierung. Es bedarf der Geduld und es fordert Kraft, vorerst mit der vorschnellen eigenen Meinungsbildung zuzuwarten, um wirklich zuzuhören und die Sichtweise des anderen einzunehmen. Und es verlangt Toleranz und eine grosse Portion Gelassenheit von jedem von uns. Ich bin aber überzeugt, dass die dadurch gewonnene Klarheit beruhigt.

Lasse ich diese politische Kontroverse zu, lassen sich tragbare oder gar bestmögliche Lösungen für alle Betroffene finden. Ihnen wünsche ich alles Gute und Gesundheit für das neue Jahr und ein gutes Umsetzen ihrer eigenen Vorsätze. Es sind auch die kleinen Schritte, die zum Grossen beitragen und hierzu wünsche ich Ihnen allen Mut und viel Freude.

Caroline Hofer Basler

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