Dorfposcht
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Editorial der Ausgabe 139 vom 30. Januar 2015

Liebe Leserin, lieber Leser

Neujahr! Wieder ist ein Jahr vergangen. Können Sie sich noch an das letzte Silvester erinnern? Schnee hatte es keinen. Doch dieser Jahreswechsel war weiss, und wie. Ist es Ihnen auch aufgefallen, wie das Leben leiser geworden ist an jenem Freitagabend? Man stand mal etwas länger am Fenster und sah den Flocken im Licht der Strassenlaterne bei ihrem Tanz zu. Die Gedanken hingen noch beim Weihnachtsessen mit der Familie und schweiften nahtlos über zum Silvesterabend, welcher noch bevorstand. Draussen wurde aus Grün und Schwarz langsam Weiss. Auf den Strassen war nur noch unterwegs, wer zu Besuch war und nach Hause musste, und die Männer und Frauen in den orangen Leuchtwesten, welche bis spät in die Nacht den Schneemassen zu trotzen versuchten. Der Dank geht an sie. Am nächsten Tag gab es für die Kinder genügend Baumaterial für Burgen, Iglus, Schanzen, Schneemänner und Schneebälle. Ein paar davon habe ich gesehen. Ist es nicht erstaunlich, wie die Kids freiwillig zur Schneeschaufel greifen, um etwas zu bauen aber nicht dazu, die Ausfahrt oder den Gehweg frei zu räumen? Eine Unterstellung, ich weiss. Ich schliesse hier von mir auf andere.

Haben Sie die guten Vorsätze des letzten Jahres eingehalten? Ich habe mir damals keine gemacht. Das nimmt den Druck weg. Obwohl es bei manchen einfach gewesen wäre sie umzusetzen. Ein neues Jahr bietet trotzdem wieder Platz für neue Vorsätze. Für die Schwierigen gibt es genügend Apps, die uns helfen sollen. Doch bei der ersten Firmenveranstaltung oder beim Geburtstagsessen sind die gängigen Vorsätze, welche wir an uns selber stellen, ganz schnell wieder vergessen. Ich habe mir dieses Mal einen vorgenommen. Ich möchte diesen mit Ihnen teilen, vielleicht schliessen Sie sich mir noch an. Diesen Vorsatz zu fassen ist einfach. Diesen in die Tat umsetzen dürfte sich als schwieriger erweisen. Deswegen nur dieser Eine. Er richtet sich an uns selbst, an unseren Stolz: Er lautet Empathie.

Dieser Begriff umschreibt ganz genau, was ich mir vorgenommen habe. Es wird den meisten, wie auch mir, nicht möglich sein, das letzte und vorletzte, wie auch weitere vergangene Jahre vollständig vergessen zu können. Wir nehmen alle das Gute wie auch das Schlechte mit. Das Zuvorkommende der Eltern, der Vorgesetzten und von Freunden, die Ungerechtigkeiten im Büro, zu Hause und vom Nachbarn bleiben in unserem Gedächtnis und in unserem Herzen haften. Doch erst diese Erfahrungen geben uns die Möglichkeit Empathie zu empfinden. Denn widerfährt uns Ungerechtigkeit, sind wir ungehalten dem Anderen gegenüber. Haben wir einen guten Tag, drücken wir gerne auch ein Auge zu.

Lassen wir also nicht wieder von uns auf andere schliessen, wie wir reagieren würden, sondern überlegen wir uns, warum handeln die Anderen so? Und kann ich verstehen, warum sie sich nicht so wie ich verhalten? Vielleicht ergibt sich dadurch erst die Möglichkeit achtsamer und verständnisvoller miteinander um zu gehen.

Heute beginnen wir mit den zwölf Kapiteln im Jahrbuch 2015. Dieses hier ist Kapitel Eins. Sind wir auf Kurs zum Happy End?

Ein erfolgreiches Jahr wünscht

Marc Vock, Gemeinderat

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