Dorfposcht
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Editorial der Ausgabe 103 vom 29. Januar 2009

Liebe Leserinnen, liebe Leser

CO2-Zertifikate sind wieder aktuell. Nun spricht man darüber für den Autokauf CO2-Zertifkate zu nutzen. Kauft man ein Fahrzeug, welches eine schlechte CO2-Bilanz hat, so muss man dafür bezahlen – diese Idee ist ja grundsätzlich nicht schlecht. Mit diesem Betrag sollen Zertifikate für Fahrzeuge zur Verfügung gestellt werden, die weniger CO2-Ausstoss haben. Das kann unter Umständen bis zu 8000 Franken pro Fahrzeug ausmachen.

Warum soll das Autofahren mit Boni schmackhaft gemacht werden? So wird doch jeder, der bisher zum Beispiel Mobility nutzte, sich überlegen, doch noch ein Auto zu kaufen, da er es ja zu einem Schnäppchenpreis erstehen kann. Diejenigen, welche Autos mit viel CO2-Ausstoss kaufen, können sich meistens ja auch den Mehrpreis leisten und denken unter Umständen gar nicht darüber nach, denn mit mehreren Hundert PS und einer Beschleunigung in sechs Sekunden auf Hundert und das bei einem Gewicht von über zwei Tonnen, ist doch einfach «geil»!

In ein paar Jahren sind dann die Zertifikate plötzlich nichts mehr wert, da alle Boni wollen, und verursachen vielleicht auch einen Crash, wie seit längerem an der Börse sichtbar. Die Gefahr ist doch da, dass mit den Zertifikaten andere Zertifikate finanziert werden und dann weiss wieder niemand, wo das Geld denn nun genau liegt. Muss denn alles immer virtuell sein?

Die Politik macht sich die Sache vielleicht etwas zu einfach. Es ist halt viel schwieriger, der Industrie Auflagen zu machen, als dem Bürger ein paar Steuern oder Abgaben aufzubrummen. Die Industrie hat die bessere Lobby.

Ich bin der Meinung, dass nur ein Umdenken der Industrie und der Konsumenten wirklich etwas bringt. Wachstum ist eines, aber warum nicht mal auf dem Bestehenden bleiben und dieses optimieren? Sprich: Am Verbrauch der bestehenden Fahrzeuge zu arbeiten oder alternative Antriebsenergien zu fördern – dies aber konsequent!

In der Zwischenzeit sollte man sich mit einfachen Mitteln behelfen, wie zum Beispiel verbrauchergerechte Abrechnung – das heisst der Benzinpreis soll steigen. So hört dann vielleicht der/die eine oder andere auf, für jede noch so kleine Distanz das Auto zu nehmen. Die Kinder gehen wieder zu Fuss in die Schule, was ihrer Gesundheit förderlich ist und da die Erhöhung der Strassensteuer ja seit Jahren abgelehnt wird, können die Mehrkosten für den Strassenunterhalt gleich mit einkassiert werden. Klar sind das wieder Steuern/Abgaben, aber der Mensch lernt nur über seinen Geldbeutel, aber diese Mehrkosten sind Gerecht – wer mehr verbraucht, soll auch mehr bezahlen.

Erich Bucher

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