Dorfposcht
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Editorial der Dorfposcht Nr. 64 vom 26. Juli 2002

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sicherlich sind viele unter Ihnen, so wie ich, Kunde bei einer Bank.

[Das Titelbild der Dorfposcht Nr 64 vom Juli 2002]Seit Jahren jammern uns diese die Ohren voll, wie hoch die Kosten sind und wie schlecht der Markt läuft. Dazwischen machen sie einen horrenden Gewinn von mehreren Milliarden, fusionieren, restrukturieren, entlassen Leute und erhöhen die Spesen.

Mitte Juli erhielt ich eine kleine blaue Schachtel (so gross wie eine mittlere Pralinenschachtel) zugesandt. Auf den ersten Blick nicht ersichtlich von wem, mit einer recht rudimentären Etikettenanschrift. Da ich der Meinung war nirgends etwas bestellt zu haben, war ich gespannt ob deren Inhalt. Also Schachtel auf!

Es ging eigentlich nicht lange und ich war so ziemlich sauer über den Inhalt und den Grund der Sendung. Der Inhalt bestand aus einem Kartonzwischenboden mit Einschnitten, damit der Inhalt nicht rumrutschte. In diesen Einschnitten war zu finden: eine Karte mit einer Sonnenblume und auf der Rückseite ein Dankestext, dazu eine Visitenkarte des Bankangestellten (den ich nicht kenne) und eine kleine Tube Liposomale Lichtschutz-Lotion (wasserfest mit Schutzfaktor 16 der Marke Spirig).

Auf der Karte stand «Vorsorge-Set für einen unbeschwerten Sommer» und «Herzlichen Dank für Ihre Treue! Wir sind auch an heissen Tagen für Sie da! Einen erlebnisreichen und sonnigen Sommer wünscht Ihnen …».

Stimmt: Ein Erlebnis war nun eingetroffen. Aber hatten eventuell die heissen Tage ende Juni den Marketingleuten bei der Bank zu stark zugesetzt? Was, in aller Welt bringt ein Geldinstitut dazu ein solch sinnloses «Geschenk» (geschätzte Kosten durch den Versand und das Material mindestens zwanzig Franken), zu versenden?

Wäre eine verträglichere Personalpolitik, bessere Kundenbetreuung (sprich Kundennähe), sinnvolle Zins- und Investitionsplanung und massvoller Einsatz von Bonusprogrammen für die oberen der Bank nicht eher im Sinne eines zufriedenen Kunden?

Ich auf jeden Fall würde dies Begrüssen und verzichte gerne auf solche Treuegeschenke.

Erich Bucher

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