Dorfposcht Nr. 60/30. November 2001 | Interview: Doris Ruckstuhl: «Das neue Schulhaus: durchwegs positiv»

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Interview: Doris Ruckstuhl, Lehrerin in Thalheim

Das neue Schulhaus: durchwegs positiv

Steckbrief

Name: Doris Ruckstuhl
Alter: *
Wohnort: *
Beruf: Lehrerin
Hobbys: *

Ein Novembernachmittag, punkt 13.30 Uhr, ich treffe im neuen Schulhaus ein. Doris Ruckstuhl, Lehrerin der Unterstufe Thalheim, wird mir ein paar Fragen beantworten. Gerade ertönt der Gongschlag, der den Beginn der Schulstunde anzeigt. Dieser sanfte Gong scheint mir wie ein Willkommensgruss, etwa wie wenn im Zug die Passagiere begrüsst werden.

Doris Ruckstuhl, seit 6½ Jahren unterrichten Sie zusammen mit Alexandra Hirtz an der Unterstufe in unserer Gemeinde, seit etwas mehr als einem Jahr sind die Schulräume im neuen Schulhaus bei der Turnhalle bezogen. Welche erste Bilanz können Sie als Lehrerin ziehen?

Durchwegs positiv: für die Kinder bezüglich Schulweg, Pausen und Unterricht, und auch für uns als Lehrerinnen hat sich vieles verbessert.

Welche Auswirkungen hat denn das neue Zentralschulhaus auf den Schulweg?

Der Weg ist nun für alle Kinder ähnlich weit. Der gesamte Schulbetrieb, auch Turnen und Handarbeit, findet am gleichen Ort statt. Es gibt kein Hin und Her mehr. Die Kinder gehen selbständiger auf den Weg als vorher.

Wie hat sich die Situation für die Lehrerinnen verändert?

In Gütighausen war man als Lehrerin allein im Schulhaus. Jetzt ist die Zusammenarbeit unter uns Lehrerinnen viel einfacher, wir sehen uns vor der Schule, nach der Schule, in der Pause. Dadurch entsteht eine intensivere Zusammenarbeit. Vom Kindergarten bis zur 6. Klasse sind sämtliche Lehrerinnen am selben Ort, das bringt viel Positives. Im Moment sind wir ein sehr gutes Team und die Zusammenarbeit macht Freude.

Welche Vorteile bietet das neue Schulhaus für den Schulbetrieb?

Die Räume sind hier viel besser. Wir haben bedeutend mehr Platz. Ich kann ohne Weiteres mal ein Kind zum Arbeiten in einen anderen Raum schicken. In Gütighausen blieb da nur das Bänklein in der Garderobe. Das Schulzimmer in Gütighausen war nicht nur kleiner, sondern auch dunkler; allerdings im Sommer kühler. Die neuen, lichtdurchfluteten Räume werden schneller heiss. Dafür ist es hier heller, offener und grösser. Technisch hat sich sonst eigentlich nicht viel verändert. Wir arbeiten kaum mit neuen Geräten, die Wandtafel ist zum Beispiel noch immer die selbe wie vorher.

Wie haben sich die Kinder mit dem neuen Schulhaus angefreundet?

Einige meiner Schüler vermissten ab und zu das alte, kleine Schulhäuschen in Gütighausen, doch zurück möchten sie nicht mehr, ich übrigens auch nicht. Sie geniessen auch die vermehrte Kameradschaft in der Pause.

Gibt das nicht auch Probleme mit einer solchen altersdurchmischten Kinderschar?

Grundsätzlich nicht. Streitereien gibt es natürlich nach wie vor immer wieder. Lustigerweise kommt das oft phasenweise. Mal streiten sie in jeder Pause, mal läuft es über längere Zeit wieder ganz friedlich. Ich finde es hier in Thalheim aber speziell schön, wie die Kinder miteinander umgehen. Die Grossen lernen auf die Kleinen Rücksicht zu nehmen.

Hat das auch mit dem Dreiklassensystem zu tun?

Ja, und auch dass man sich kennt.

Das Dreiklassensystem ist für unsere Gemeinde ja nicht neu. Für die Lehrerinnen ist es bestimmt eine besondere Herausforderung. Welche Nachteile sehen Sie?

Im Vergleich zu einer Einklassenschule bleibt beim Dreiklassensystem weniger Zeit für individuelle Betreuung eines Kindes. Dieses Jahr belegen Alexandra Hirtz und ich aber zusammen ein 120-Prozent-Pensum, bedingt durch Entlastungslektionen. Das heisst, dass wir manchmal beide anwesend sind und somit wieder vermehrt Zeit für Einzelbetreuung haben. Ich denke, in den Hauptfächern spüren die Kinder nicht gross, dass wir eine Mehrklassenschule sind. Hingegen in Fächern wie Zeichnen oder Turnen ist da schon ein Unterschied. Dazu kommt, dass wir natürlich mehr Zeit für die Stundenvorbereitung aufwenden. Das Dreiklassensystem ist mit einem grösseren Arbeitsaufwand verbunden und vor allem eine Frage der Organisation.

Organisieren müssen Sie wohl ohnehin sehr viel, da Sie die Stelle mit Ihrer Arbeitskollegin teilen.

Das stimmt. Wir nutzen jeweils den Mittwochnachmittag, um uns abzusprechen und die kommende Woche zu planen.

Suchten Sie bewusst eine aufgeteilte Stelle und dazu noch an einer Mehrklassenschule?

Alexandra Hirtz und ich beschlossen, zusammen eine Stelle zu suchen. Es gab aber dazumal noch sehr wenig Doppelstellen. Dazu waren in jener Zeit überhaupt wenig offene Stellen vorhanden. In Thalheim-Gütighausen wurden wir dann fündig. Ich finde es eine gute Sache, eine Stelle mit jemandem zu teilen. Man trägt die Verantwortung gemeinsam und kann sich gegenseitig unterstützen. Für die Kinder sehe ich auch Vorteile, wenn sie zwei Bezugspersonen haben.

Ist das Unterrichten in den letzten Jahren schwieriger geworden?

Eigentlich nicht. Ich stelle aber einen grossen Unterschied zwischen Stadt- und Landgemeinde fest. Inzwischen möchte ich nicht mehr in einer Stadt Schule geben.

Heile Landwelt also? Weshalb sind denn die Kinder anders als in der Stadt?

Ich spüre, dass sie die Möglichkeit haben, draussen zu spielen. Sie können sich austoben. Der Fernsehkonsum ist dadurch eher kleiner. In der Stadt kommt es immer häufiger vor, dass beide Elternteile voll erwerbstätig und die Kinder mehr auf sich gestellt sind. Hier schätze ich es, dass sich die Eltern unserer Kinder oft Zeit nehmen, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, was ja letztendlich wieder den Kindern zugute kommt.

Doris Ruckstuhl, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin positive Erfahrungen im neuen Schulhaus, aber auch zufriedene und begeisterungsfähige Kinder.

Marlies Schwarz

* Auf Wunsch von Frau Ruckstuhl aus der Online-Ausgabe der Dorfposcht entfernt.

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