Dorfposcht
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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

An der ersten Redaktionssitzung zu dieser Nummer trat wieder einmal die «Gretchenfrage» auf, wer das Editorial schreibt. Komischerweise haben sich alle Köpfe in meine Richtung gewandt!?

Nun gut, ich bin seit einer Woche am Themen-Ausdenken und -Verwerfen. Ich habe Zeitungen durchgewühlt, um irgendeine Schlagzeile zu ergattern, mein Hirn gemartert, um eine Idee zu finden, welche mich so fasziniert, dass meine Gedanken spriessen. Ich habe hunderte gefunden und wieder fallengelassen. So z.B. «Nach zwei Überfällen wird Kioskfrau Versicherung gekündigt», «Millionen teurer Schrotthaufen trudelt durchs All», «Sojouner hängt fest auf dem Mars», «BSB-Fieber grassiert in Winterthur» usw.

Sicherheitsmann Meili und die Forderung nach den Judengeldern sind genau so von der ersten Seite der Zeitungen verschwunden wie das Wasser im Oderbruchgebiet. Unser komisches Wetter wird einem Kind zugeschoben («El Niño»), welches uns noch bis Mitte des nächsten Jahres verfolgen soll. Mächtige Firmen schliessen sich zusammen um Synergien (1+1=3 hiess es einmal bei einer Fusion) zu erzeugen. Was daraus entsteht, ist Stellenabbau, mehr Gewinn für die neue Firma, mehr Gewinn für die Shareholders und eine neue Lobby, welche eventuellen Gegnern das Leben vermiesen soll.

Wir werden immer mehr von Zeitungsschlagzeilen, Fernsehnews (möglichst blutig und brutal), «tränendrüsen-drückenden» Fernsehshows gefoltert und gereizt, bis jedes Thema bis zum letzten Tropfen ausgewunden wurde und der Mensch seine «eigene» Meinung mittels «Brainwashing» erhalten hat.

Die Zeit rennt uns davon und wir lassen uns mitziehen, wir müssen alles erlebt und gesehen haben, um auch dabei zu sein.

Warum lehnen wir uns nicht einfach ruhig und gelassen zurück und geniessen unsere schöne, ruhige Thurtal-Gegend?

Erich Bucher

PS: Dieses Editorial wurde inspiriert vom Editorial in der Dorfposcht 20/Juni 1994 welches mit den Worten «Mir fällt nichts ein» endete.

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